Die DIN 4020 fordert für jedes Bauvorhaben eine gründliche Erkundung des Untergrunds – in Hagen mit seiner bewegten Topographie und den verkarstungsgefährdeten Massenkalkzügen des Devons ist das mehr als eine Formalie. Wo Ruhrtal und Volmetal aufeinandertreffen, wechseln die Lockergesteinsmächtigkeiten auf kurzer Distanz, und genau da setzt die seismische Tomographie an. Unser Team führt Refraktions- und Reflexionsmessungen durch, die ein lückenloses Bild der Schichtgrenzen liefern, bevor der erste Bagger anrückt. Gerade in Hanglagen, wie man sie etwa im Hagener Norden oder entlang der Lenne findet, entscheidet die Kenntnis über die Tiefe des anstehenden Felses über die Wahl des Gründungstyps. Die Kombination aus kompressionalen Wellen und der Analyse von Oberflächenwellen ergibt ein Geschwindigkeitsmodell, das geotechnisch belastbar ist und das wir mit einem CPT-Versuch punktuell eichen, wenn es die Zugänglichkeit erlaubt, oder mit einer direkten Korngrößenanalyse an Referenzproben aus dem Bohrgut abgleichen.
Wo Massenkalk auf Honseler Schiefer trifft, kann der Felshorizont auf zehn Metern um fünf Meter springen – die Tomographie zeigt diesen Sprung, bevor die Gründung dimensioniert wird.
Lokale Besonderheiten
Der Hagener Massenkalk, der sich vom Iserlohner Raum bis in den Süden der Stadt zieht, neigt zur Verkarstung – Hohlräume und Dolinen sind in diesem Teil des Sauerlands keine Seltenheit. Ein Bohrgerät durchstößt einen solchen Hohlraum punktuell und liefert ein Ja/Nein für diese eine Stelle; die seismische Tomographie hingegen kartiert Subrosionssenken und aufgelockerte Zonen im Umfeld flächig. Ein zweiter kritischer Punkt sind die Schichtwasseraustritte im Kontakt zwischen Plattenkalk und wasserstauendem Tonschiefer: Wo die Schichtgrenze unerkannt bleibt, läuft eine Baugrube unerwartet voll. Die Messung zeigt das Grenzflächenecho, noch bevor das Wasser zum Problem wird. In den quartären Talfüllungen von Volme und Ruhr wiederum täuschen geringe Ausbreitungsgeschwindigkeiten oft tragfähigen Baugrund vor, der aber organische Einschaltungen enthalten kann – auch das lässt sich im Geschwindigkeitsprofil auflösen, wenn man die Intervalle eng genug legt.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Mehrwert bietet die seismische Tomographie gegenüber reinen Bohrungen in Hagen?
Bohrungen liefern ein punktuelles Profil am Ansatzpunkt. Die Tomographie schließt die Lücken zwischen den Bohrungen und zeigt laterale Wechsel, die im Hagener Untergrund mit seinen Wechselfolgen aus Kalk, Schiefer und Sandstein auf kürzester Distanz auftreten. Sie erkennen damit Felsausbisse, Verkarstungszonen oder alte Auffüllungen, die eine Bohrung verfehlen würde.
Mit welchen Kosten muss ich für eine seismische Messung rechnen?
Die Kosten hängen von der Auslagelänge und der Anzahl der Schusspunkte ab. Für eine typische Baugrunderkundung in Hagen bewegt sich der Preisrahmen zwischen €2.140 und €4.160, je nachdem ob reine Refraktion oder eine kombinierte Reflexionsmessung mit höherer Kanalzahl gefragt ist.
Kann man auch unter asphaltierten Flächen messen?
Ja, die Geophone werden auf den Asphalt aufgekoppelt, üblicherweise mit einer dünnen Sandschicht oder Kopplungsplatten. Die Anregung erfolgt mit einem Fallgewicht, das auch auf befestigten Oberflächen eingesetzt werden kann, ohne die Fahrbahn zu beschädigen. Die Eindringtiefe wird dadurch nicht nennenswert beeinträchtigt, solange der Asphalt nicht mehrere Dezimeter dick ist.